Ein Editorial ist ein redaktioneller Inhalt, der eine Geschichte, Haltung oder Idee vermittelt – unabhängig von direkter Verkaufsabsicht. In der Fotografie bezeichnet ein Editorial eine bildgetriebene Erzählung, wie man sie aus Magazinen kennt. Der zentrale Unterschied: Ein Editorial will informieren, einordnen oder erzählen – nicht primär verkaufen.

Ursprung des Begriffs

Der Begriff stammt aus dem Journalismus. Ein Editorial ist dort ein redaktioneller Beitrag, der ein Thema einordnet oder kommentiert. In der Fotografie wurde dieses Prinzip übernommen: Bilder übernehmen die Rolle der Argumentation. Ein fotografisches Editorial ist damit visueller Journalismus oder visuelles Storytelling.

Was macht ein fotografisches Editorial aus?

1. Eine klare Idee oder Erzählung

Ein Editorial folgt immer einem roten Faden. Das kann ein gesellschaftliches Thema, ein Porträt, eine Stilidee oder eine kulturelle Beobachtung sein. Einzelbilder funktionieren nur im Zusammenhang.

2. Kontext statt Produkt

Auch wenn Kleidung, Menschen oder Orte gezeigt werden, stehen sie nicht als Produkt, sondern als Teil der Geschichte im Fokus. Marken sind Nebensache oder unsichtbar.

3. Authentische Bildsprache

Editorials wirken oft natürlicher, roher oder konzeptioneller als Werbung. Kleine Unperfektheiten sind erlaubt – manchmal sogar erwünscht.

4. Veröffentlichung im redaktionellen Umfeld

Typisch sind Magazine, Online-Magazine, Portale oder Ausstellungen. Entscheidend ist der redaktionelle Kontext, nicht das Medium selbst.

Editorial vs. Werbung – der entscheidende Unterschied

Editorial:
– erzählt
– interpretiert
– ordnet ein
– ist unabhängig
– wirkt langfristig

Werbung:
– verkauft
– inszeniert gezielt
– ist markengeführt
– hat klare Call-to-Actions

Sobald eine Marke die Bildaussage kontrolliert, verlässt man den Editorial-Bereich.

Welche Arten von Editorials gibt es?

Portrait-Editorial: Persönlichkeiten im erzählerischen Kontext
Fashion-Editorial: Mode als kulturelles Statement
Reportage-Editorial: gesellschaftliche oder soziale Themen
Art-Editorial: stark konzeptionell, künstlerisch

Warum Editorials für Fotografen wichtig sind

Editorials sind Positionierungsarbeiten. Sie zeigen nicht, was ein Fotograf verkaufen kann, sondern wie er denkt. Viele Karrieren entstehen nicht durch Auftragsarbeiten, sondern durch starke Editorials, die eine eigene Bildsprache etablieren.

Sie sind:
– Visitenkarte
– Experimentierraum
– publizierbar
– glaubwürdig

Ein Editorial ist keine Produktwerbung und kein Zufallsprojekt. Es ist eine redaktionelle Bildgeschichte mit Haltung. Wer Editorials fotografiert, arbeitet nicht nur mit Licht und Kamera, sondern mit Bedeutung.