Ein Portrait-Hintergrund soll ruhig wirken, Licht gut vertragen, wenig reflektieren und schnell wechselbar sein. Entscheidend ist nicht „schön“, sondern kontrollierbar: gleichmäßige Fläche, definierte Textur (oder bewusst keine), keine harten Knicke, keine ungewollten Glanzstellen.
Die besten DIY-Hintergrund-Typen (inkl. Vor-/Nachteile)
1. Papierrolle (nahezu Studio-Standard)
- Am besten für: Clean-Look, Beauty, Business, Freisteller-Ästhetik
- Material: Hintergrundpapier auf Rolle (weiß/grau/schwarz/farbig)
- Vorteile: glatt, schnell, professionell, gut auszuleuchten
- Nachteile: empfindlich gegen Dreck/Tritte, braucht Stativ/Querstange, Lagerung sperrig
DIY-Tipp: Wenn Rollen zu teuer sind: große Malervlies-Rolle oder Baumarktpapier (Abdeckpapier) in Breitformat – funktioniert gut für „matten“ Look, ist aber weniger perfekt glatt.
2. Stoff (Molton / Canvas / Bettlaken-Trick)
- Am besten für: warme, organische Looks, kreative Portraits, schnelle Farbwechsel
- Empfehlung: Molton (Bühnenstoff, stark matt, schluckt Licht, fällt schön)
- Vorteile: günstig pro Fläche, faltbar/rollbar, reflektiert kaum
- Nachteile: knittert, muss gespannt/gedämpft werden, Staub/Fusseln möglich
Bettlaken/Leinen: geht für Start, aber oft zu reflektiv, knittert stärker und wirkt schnell „nach Schlafzimmer“.
3. Gemalte Platte (Hard-Background: Holz/MDF/Styrodur)
- Am besten für: „Painterly“ Portraits, Fine-Art, konstant wiederholbarer Look
- Material: MDF/OSB/Sperrholz (oder Styrodur-Platten), Wandfarbe, Rolle/Schwamm
- Vorteile: robust, immer gleich, texturierbar, keine Falten
- Nachteile: schwer, braucht Lagerplatz, Transport aufwendig
Profi-DIY-Look: 2–3 Farbtöne (z. B. warmes Grau + dunkleres Grau + ganz wenig Beige), mit Schwamm und trocken gerollter Farbe wolkig auftragen.
4. Vinyl / PVC / Duschvorhang (Budget & leicht zu reinigen)
- Am besten für: Kinder, Haustiere, Food/Produkte, Outdoor schnell abwischbar
- Vorteile: wasserfest, billig, leicht
- Nachteile: Glanz/Reflexe können nerven → nur matte Varianten nehmen
Welche Größe muss der Hintergrund haben?
Für Kopf/Schulter-Portraits
- Breite: 1,35–1,60 m reicht oft
- Höhe: 2,0 m (besser 2,2 m)
- Praxis: Wichtig ist Abstand: Motiv nicht direkt am Hintergrund, sonst Schatten/Struktur.
Für halbe Figur (bis Hüfte/Oberschenkel)
- Breite: 2,0–2,7 m
- Höhe: 2,2–2,7 m
Für Ganzkörper
- Breite: 2,7–3,6 m (je nach Bildwinkel/Abstand)
- Höhe: 2,7 m plus „Floor Sweep“ (Boden-Verlauf)
- Wichtig: Für Ganzkörper brauchst du oft einen nahtlosen Übergang von Wand zu Boden (Papierrolle oder großer Stoff mit Bodenanteil).
Faustregel:
Je weitwinkliger du fotografierst und je weiter weg du stehst, desto breiter muss der Hintergrund sein. Für klassische Portraits lieber längere Brennweiten (z. B. 85–135 mm) → dann kommst du mit weniger Breite aus.
Fähigkeiten, die du wirklich brauchst (damit es „pro“ aussieht)
- Lichtführung: Hintergrund getrennt vom Motiv belichten (sonst Schatten, Flecken, unruhige Struktur).
- Abstand: Motiv 1–2,5 m vom Hintergrund weg, je nach Raum.
- Spannung/Glättung: Stoff muss sauber fallen oder gespannt werden.
- Reflexe erkennen: Glanzstoffe, billige Folien, satinierte Farben machen schnell „billig“.
- Kanten im Blick: Hintergrund muss seitlich aus dem Bild bleiben → Kamera-Position prüfen.
Werkzeuge & Equipment (minimal bis komfortabel)
Minimal-Setup (günstig, funktioniert)
- 2 stabile Lichtstative (auch gebraucht)
- 1 Querstange (Teleskopstange oder DIY-Rohr)
- Klemmen (Federklemmen / A-Clamps)
- Gaffa-Tape / Malerband
- Optional: 2 Sandsäcke (oder Wasserkanister) gegen Umkippen
Komfort-Setup (Studio-Feeling)
- Hintergrundsystem mit Autopole oder Wand-/Deckenhalterung
- Hintergrundrolle + Kernadapter
- Zusätzliche Klemmschienen für Stoff
- Rollwagen/Transporttasche
Woher bekommst du günstig Material?
Sehr günstig & oft unterschätzt
- Baumarkt: Malervlies, Abdeckpapier, PVC-Bodenreste, MDF/OSB-Platten, Wandfarbe (Restecke)
- IKEA/Discounter: Vorhänge, Bettlaken, Tischdecken (matte Stoffe suchen)
- Kleinanzeigen: Moltonreste, Bühnenstoff, Fotohintergründe, Studiostative
- Theater-/Event-Verleiher: manchmal Molton-Restposten
- Druckereien/Werbetechnik: Banner-Reste (Achtung: Reflexion)
- Wichtig beim Sparen: Lieber in matt investieren als in „billig glänzend“. Glanz ist der häufigste Grund, warum DIY-Hintergründe amateurhaft wirken.
Bauanleitungen (3 praxissichere Varianten)
Variante 1: Stoffhintergrund (Molton) + mobiles Stativsystem
- Molton auf ca. 3 × 3 m kaufen (Allround-Größe).
- Oben eine Tunnelnaht machen (oder Klemmen nutzen).
- Querstange durchziehen oder Stoff oben anklemmen.
- Seitlich mit Klemmen straffen, unten leicht beschweren (z. B. Holzleiste oder Klemmen + Gewicht).
- Für Ganzkörper: Stoff nach vorne auf den Boden ziehen, ggf. Anti-Rutsch-Matte drunter.
Trick: Wenn Falten stören: Stoff aufrollen (nicht falten) oder kurz im Bad „dampfen“ (ohne das Wort, das du nicht willst).
Variante 2: Gemalte MDF-Platte (Hard-Background, „Fine Art“)
- MDF/OSB in 1,25 × 2,50 m oder 1,50 × 2,50 m (je nach Transport).
- Grundieren (damit Farbe gleichmäßig hält).
- 2–3 Wandfarbtöne wählen (matt).
- Mit Rolle Grundton, dann mit Schwamm/Wischtechnik wolkig.
- Optional: leichtes „Dry Brush“ mit hellerer Farbe für Tiefe.
- Platte an Wand lehnen oder mit 2 Winkeln an eine Trägerkonstruktion.
Tipp: Zwei Platten bauen, eine warm, eine kühl → du hast sofort Stilvielfalt.
Variante 3: Papierrolle + „nahtloser“ Boden-Verlauf (Studio-Look)
- Rolle 2,72 m Breite (wenn möglich) für Ganzkörper.
- Auf Querstange montieren (Kernadapter oder Schnur durch den Rollenkern).
- Papier hinten runter lassen und nach vorne über den Boden ziehen („Sweep“).
- Unten mit Tape fixieren (auf dem Boden) oder mit Holzleiste beschweren.
- Schuhschutz/saubere Socken, sonst ist die Rolle schnell ruiniert.
Hintergrund befestigen: Wand, Decke, mobil
Mobil (empfohlen, wenn du flexibel bleiben willst)
- 2 Lichtstative + Querstange
- Sandsäcke/Wasserkanister an die Stative
- Klemmen für Spannung
Wandmontage (platzsparend, stabil)
- Wandhalterung + Querstange / Rollenhalter
- Oder: 2 stabile Haken + Rohr/Latte als Querstange
- Vorteil: schneller Aufbau, dauerhaft sauber
Deckenmontage (professionell, sehr platzsparend)
- Deckenhaken + Querstange
- Oder: festes Hintergrundsystem (mehr Aufwand, aber sehr sauber)
Sicherheitsregel: Alles, was über Menschen hängt, muss redundant gesichert sein (zweite Sicherung, stabile Dübel, Lastreserve).
Aufbewahrung: so bleibt’s sauber und knitterfrei
Papierrollen
- Immer stehend lagern oder in Halterung lassen
- Vor Feuchtigkeit schützen
- Außen mit Folie umwickeln, damit Kanten nicht beschädigen
Stoff
- Aufrollen statt falten (z. B. um ein Rohr oder Papprolle)
- In einer Tasche lagern (Staubschutz)
- Fusselrolle bereithalten (Molton sammelt Staub)
Platten
- Vertikal an die Wand stellen, Abstandshalter unten
- Kanten mit Kantenschutzband oder alter Decke schützen
- Nicht flach am Boden lagern (Verzug/Feuchtigkeit)
Praxis-Setup für starke Portraits (ohne Studio)
Wenn du nur eine solide Standardlösung willst, nimm:
- Molton 3×3 m (matt, schwarz oder dunkelgrau)
- mobiles Stativsystem
- Motiv 1,5–2 m vom Hintergrund weg
- Licht leicht seitlich/oben (damit Hintergrund ruhig bleibt)
Damit bekommst du sofort Bilder, die „nach Studio“ aussehen – ohne Studio.
